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EINLEITUNG Man könnte ja diese Schritt mit der berühmten ersten Nacht beginnen, als insgesamt zehn Personen sich am Strand vom heutigen Bella Vista hinkauerten und jämmerlich froren. Aber so weit ist es ja noch nicht, denn bevor der Kapitän des Dampfers "Bell" mit tiefer Seemannsstimme rief:"Aussteigen, ihr seid am Ziel" waren doch noch einige bedeutsame Schritte in der Angelegenheit "Bella Vista" in den Akten zu erledigen.
Aber erzählen wir es der Reihe nach: Im Jahre 1854 wurde in der deutsch-böhmischen Stadt Gablonz ein Junge geboren, der den Namen Erdmann Fischer tragen sollte. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 geriet er noch als 16- oder 17jähriger Bursche in die Gefangenschaft. Zurückgekehrt wollte er nicht in Gablonz bleiben, denn da herrschte die Schleiferei-Industrie der Glaskristalle, und Erdmann wollte doch keine Blumenmuster und wären sie noch so schön, in die Kristallvasen schleifen. Um den uralten Traum und das Fernweh der Deutschen zu verwirklichen, in das Ausland und hauptsächlich in die Tropen und Subtropen zu wandern, packte er seine Siebensachen und fuhr nach Porto Alegre und von dort mit einigen Begleitern nach
São Leopoldo. Dann kamen drei Tage Kampf in einer Picade gegen den Hunger. Nach einem endlosen Marsch .durch die Wälder kam man an einen Bauernhof, aber fragt nicht, in welchem Zustande. Man war halb verhungert, schmutzig, mit zerrissener Wäsche, müde, dass jeder Schritt eine Qual bedeutete. Man war nur noch ein Schatten.
Die Hausfrau zog in diesem Augenblick, als die armen Heldengestalten auf dem Hof erschienen, frisch gebackenes Brot aus dem Ofen. Kommt, kommt zurück ihr verlorenen Lebensgeister! Allein schon der Duft des frischen Brotes weckte alle guten, besseren und mutigsten Lebensgeister in dem knurrenden Magen. Die Frau lächelte ein wenig, sie ist ja Kolonistin und weiss, dass man mitten im Urwald verhungern kann, dazu noch als Deutschländer, der garnicht weiss, was man essen und trinken darf und schreckliche Angst vor Pflanzengiften und noch mehr vor Schlangenbissen hat. Dann kam der Ehemann der gütigen Brotspenderin, sieht die krummen Gestalten, die schon langsam beginnen, sich wieder zu strecken und zu dehnen. "Bleibt mal ein paar Tage hier, esst euch erst einmal richtig satt. Ich weiss schon, Deutschland und Böhmen sind eine Sache, und der Urwald ist eine andere Angelegenheit." Und so geschah es. Später auf den richtigen Weg gebracht, jubelte es in dem jungen Erdmann auf: Das ist wenigstens noch ein Leben. Schliesslich konnte er in Rio Grande eine kleine Maismühle bauen. Das war der Anfang. Unser Freund muss ein ausserordentlicher Kerl gewesen sein, wir werden es im nächsten Kapitel erleben. Herr Josef Bohn hatte eine ähnliche Entwicklung wie Don Erdmann Fischer durchgemacht. Er hatte durch Fleiss und Sparsamkeit ein schönes Kapital zusammengebracht und wollte dieses gut anlegen. Jedenfalls bewahrheitet sich hier in Südamerika immer wieder der Satz: Man muss erst einmal runter vom hohen Gaul, muss unten liegen, d.h. kein Geld haben, um sich dann aufzurappeln. Da zeigt sich dann die Tüchtigkeit eines jeden Menschen. Einer bleibt beim Schnaps sitzen, und auf der letzten Stufe rutscht man schnell dahin, der arme Teufel verkommt und stirbt irgendwo im Busch in einem kümmerlichen Rancho. Der andere aber klettert langsam mit sicherem Schritt den Weg zum Erfolg hinauf. Und gerade in den Kolonien erlebt man es, dass die Gelder, die im Koffer oder Brieftasche stecken, nicht soviel wert sind wie die langsam und mit Mühe erworbenen Nickel. Aber erzählen wir weiter: 1917 war es soweit, d.h., Don Erdmann Fischer und sein Schwiegervater Don Josef Bohn wollen auch einmal grosse und grössere Kristallvasen schleifen. Sie bilden eine Gesellschaft, die zwar nur zwei Personen umfasst, aber doch bis zum April 1923 hält und schliesslich soviel Segen über ein Stück Urwald brachte, denn der Segen breitete sich über alle aus. Damals 1917 waren es zwei Personen, die den Plan fassten, eine Kolonie zu gründen. Am ersten Tag, den wir sogleich beschreiben wollen, waren es zehn Personen. Im Jahr 1935 setzten sich 580 Personen an die gedeckten Tische, um ihr Mittagessen zu verzehren, das auf 120 Herden gekocht wurde. 1959 lebten etwa 650 Deutschsprachige in der Kolonie; 1967 stieg die Ziffer auf 4.251 Personen und heute, 1981, konnten 6.756 Personen gezählt werden. Da muss doch wohl jeder zugeben, dass dieser Zug zur Kolonie ein Riesenerfolg ist. Aber noch sind wir nicht soweit: Am 11. Mai 1917 wurde ein Kontrakt mit Dr. Pastor S. Obligado in Buenos Aires geschlossen, und als 1. Quote für den Landkauf ein Betrag in Höhe von 10.000 Pesos argentinos auf den Tisch gelegt. |
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