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Das Projekt "Paso Tuyá"
3. Ausdehnung des Projektes auf ansässige Paraguayer und Indianer im Jahre 1988
Schon kurz nach Aufnahme der Aktivitäten erkannten die Verantwortlichen vor Ort die Notwendigkeit, die im Siedlungsraum ansässigen Paraguayer und Indianer unbedingt in den Kreis der Nutzniesser einzubeziehen. Einerseits aus humanitären, anderseits aber auch aus wirtschaftlichen Gründen:
Humanitäre Gründe
Die Kontaktaufnahme mit den Indianern erfolgte, nachdem die Verantwortlichen von der horrenden Kindersterblichkeit erfuhren, welche in ihrer Siedlung grassierte. In einem Jahr verloren über dreissig Kinder ihr Leben infolge von Infektionskrankheiten, welche mit einer blossen Impfung hätten vermieden werden können oder mit einfachen Medikamenten heilbar gewesen wären.
Wirtschaftliche Gründe
Die Paraguayer und Indianer haben infolge Arbeitsmangel zahlreiche Arbeitskräfte anzubieten. Im Gegensatz dazu fehlt es den deutsch-brasilianischen Siedlern und ausländischen Farmern an Arbeitskräften. Allerdings fehlt es bei allen Gruppen an der notwendigen Ausbildung.
4. Ausbildungssituation der verschiedenen Gruppen
Die deutsch-brasilianischen Siedler kamen 1978 ohne genügende Schulbildung nach Paraguay. Die meisten von ihnen haben in Brasilien nicht einmal die Primarschule abgeschlossen, keiner von ihnen verfügte über eine Sekundarschulbildung oder über eine Berufslehre. Zwar wurde kurz nach ihrer Ankunft in Paraguay eine Schule gebaut und eine Lehrerin eingestellt, doch gab es nur Unterricht bis zur vierten Primarschulklasse. Zudem besuchten längst nicht alle Kinder die Schule: die Arbeit auf dem Felde war wichtiger und die Eltern, welche selbst auch nicht über die notwendigen Grundlagen verfügten, besuchten keine Schulen mehr.
Die Paraguayer am Rande der Siedlung hatten sowohl eine Primar- als auch eine Sekundarschule. Doch waren diese Schulen wegen der Sprache sowie der grossen Distanzen zum Dorf (die Schulen lagen 8 - 15 km von der Siedlung entfernt) nicht attraktiv für die Siedler und ihre Kinder.
Am schlimmsten aber war die Situation bei den Indianern, welche über keinerlei Schulen in ihrer Kolonie verfügten. Der Zugang zu paraguayischen Schulen war für sie aus sprachlichen und ethnischen Gründen faktisch nicht möglich: das Gefälle war zu gross und es kümmerte sich niemand um sie. Nur schon die Tatsache, dass Schuluniformen zu tragen waren, machte den Schulbesuch unmöglich für eine Familie, die über kein monetäres Einkommen verfügt. Die Indianer betreiben zu mehr als 90 % Subsistenzwirtschaft, sind also Selbstversorger, die ihre Produkte nicht verkaufen, sondern für sich anbauen. Ein eventueller Produktionsüberschuss wird auch nur dann verkauft, wenn die übrigen Mitglieder der Grossfamilie genügend zu essen haben.
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